
Wir waren in Den Haag. Die EU-Behörden dort angucken. Dieser Text geht es vor allem um alles, was wir erlebt haben, was nicht im Programm stand und was trotzdem wichtig ist: Der Nachtzug, wie wir Fla entdeckten, Beton-Brutalismus am Strand, Frikandeln, Pommes und Erdnusssoße.

Auf nach Den Haag!
Dienstag, 22.30. In Berlin ist die Sonne unter gegangen und der Tag grad begonnen und wir stehen am Bahnhof Gesundbrunnen. Der Nachtzug nach Den Haag ist schon da. Da wollen wir hin. Den Haag ist die Hauptstadt der Niederlande. Sie hat ca. 600.000 Einwohner*innen. Das ist so wie Bremen oder Stuttgart. Die Niederlande ist ein Land neben Deutschland. Es hat ungefähr ein Viertel der Einwohner*innen von Deutschland. Amsterdam ist die Hauptstadt, Den Haag ist der Regierungssitz und wo der König mit seiner Familie wohnt. Das Königreich Niederlande hat vier Teile: Niederlande, Aruba, Curaçao und Sint Maarten. Der König der Niederlande ist trotz der Namen und der Lage seiner Landesteile überrascht, das seine Familie fett am Sklaven halten und handeln Geld verdient hat.

Internationale Konferenzen
Den Haag hat eine lange Tradition von internationalen Konferenzen. Deswegen sitzen da viele Internationale Organisation wie der Internationale Strafgerichtshof (ICC), Botschaften und die EU-Behörden Europol und Eurojust, die wir besuchen wollen. Aber darum soll der Text nicht gehen; ich schreibe über das, was nicht im Programm stand, aber trotzdem wichtig war.

Neun Stunden Zugfahrt
Der Zug ist da, wir laden ein. Wir haben vier Abteile. Liegen. Keine Betten, aber auch keine Holzklasse. Morgen werden wir in Den Haag sein. Aber bis dahin liegen noch neun Stunden Nachtzugfahrt vor uns. Die Stimmung ist gut, mal gucken, ob wir überhaupt ein Auge zumachen.

Offenen Brief unterschreiben
Vorher heißt es aber Unterschreiben. Eine Teilnahmeliste und eine Quittung, das wir das Essensgeld erhalten haben. Und ein Offener Brief, den wir an die EU geschrieben haben. Gerüchte, die im Protokoll der letzten Sitzung des Nationalen Beirats für Erasmus+ stehen, soll die maximale Summe für Jugendparty-Partionsprojekte enorm gekürzt werden. Das finden wir nicht gut, denn so Touren zur EU wie wir das gerade machen, werden dann enorm erschwert. Deswegen haben wir in den letzten Wochen einen Offenen Brief entworfen. Jetzt liegt er schick mit Logo und so ausgedruckt auf Deutsch und Englisch vor und wir unterschreiben feierlich: https://vernetzungpartizipation.org/jugendpartizipationsprojekte-erhalten-unser-brief-an-die-eu/

Ankunft in Den Haag
Gegen 2 Uhr Nachts war in unseren Abteilen Ruhe. Ich hab gut geschlafen. Ich glaub auch wegen der fast zwei Stunden Verspätung, mit der der Zug bei strahlendem Sonnenschein in Den Haag ankam. Verschlafen steigen wir aus dem Zug. Einige fehlen, sie sind mit einem anderen Zug gefahren. Dank der Verspätung sind wir alle fast zeitgleich da. Die anderen warten in der Wartehalle. Doch da ist nichts zu sehen.
Telefon raus, anrufen. „Wo seit ihr?“ „In der Bahnhofshalle!“ „Wir auch….“ „In der Halle Richtung Innenstadt?“ „Ja genau…?“ Morgens laufen die Gehirne noch langsam und wir sind alle unterkoffiniert. Deswegen dauert es etwas bis, wer die Erkenntnis hat: „ Moment, stand in dem Infozettel nicht, das Den Haag zwei Bahnhöfe hat?“ „Oh nein, reingefallen!“

Im Stay OK Den Haag
Wir verabreden, uns im Hostel zu treffen. Das ist das Stay OK Den Haag. Stay OK ist eine Hostel-Kette, die bei Hosteling International mitmacht, dem europäischen Dachverband für Jugendherbergen. So sieht das Frühstück da aus:

Am Internationalen Strafgerichtshof (ICC)
Aber heute gabs kein Frühstück, wir sind gleich weiter gehetzt zum Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Denn dort wird heut ein richtig echter Warlord verknackt. Wir hoffen auf Plätze auf der Tribüne. Um halb 11 sind wir da; doch eine halbe Stunde vor Beginn der Urteilsverkündung sind schon alle Plätze belegt. Trotz Anmeldung ist nichts zu machen. Die Gruppe nach uns kommt noch rein; sie haben wen mit nem französischen Diplomat*innen-Pass dabei.

Bilder mit Putin machen
Naja. Wir machen aus der Not eine Tugend. Mehr Zeit zum Bilder mit Putin machen. Wir schleppen den russischen Diktator Wladimir Putin mit rum. In einmeterzweiungsechzig lebensgroßes Roll-Up-Poster. Die Abbildung darauf zeigt Putin in Fantasie-Knastkleidung und dem Aufdruck „PUTINJAIL“. Das Wortspiel kommt hier am Internationalen Gerichtshof in Den Haag natürlich super zu Geltung. Und das muss dokumentiert werden.
Aufmerksamkeit
Das einfach Roll-Up erzeugt enorme Aufmerksamkeit bei den wenigen Passant*innen. Wir ziehen sogar einen Foto-Journalisten von einer Nachrichten-Agentur an. Er ist sehr überrascht, das wir wissen, was eine Nachrichten-Agentur ist, und er seinen Job nicht erklären braucht. Mehr zum mit Putin durch Den Haag rennen gibts hier: https://vernetzungpartizipation.org/mit-putin-durch-den-haag/

Das FLA-radies
Nächster Tagesordnungspunkt: Endlich Frühstück. Wir haben in der nahegelegenen Siedlung Albert Hein gefunden. Das ist DIE niederländische Supermarktkette. Wir sind überrascht, wie viele vegane Produkte im Angebot sind. Und wir machen die Entdeckung des Jahrtausends: Sie heißt FLA. FLA ist ein süßes Milchprodukt in ca. 2000 Geschmacksrichtungen. Es ist viel dünner als Joghurt oder Pudding, und dickflüssiger als Ayran oder Joghurt-Drink. Von nun an wird kein Moment mehr vergehen, ohne das irgendwer ne Packung FLA in der Hand hält.

Am Friedenspalast
Wir bummeln in die Innenstadt. Zum Friedenspalast. Das ist der Hauptsitz des Internationalen Gerichtshof (ICC) und des Internationalen Schiedsgerichtshof. Dort gibt es eine Ausstellung. Und jemand aus unserer Gruppe hat einen Input zu Anita Augspurg und der Frauen-Friedenskonferenz 1915 vorbereitet. Aber darüber gibts zwei oder sogar drei andere Texte, deswegen schreib ich nicht darüber:
Unser Besuch im Friedenspalast:
https://vernetzungpartizipation.org/besuch-am-friedenspalast/
Was soll die pseudoreligiöse Deko des Friedenspalastes?
https://vernetzungpartizipation.org/was-bedeuten-die-pseudoreligioesen-deko-elemente-des-friedenspalastes/
Friede und Recht? Auf den Spuren der Alten Friedensbewegung:
https://vernetzungpartizipation.org/friede-und-recht-auf-den-spuren-der-alten-friedensbewegung/

Und auch zu dem Ding mit dem Putin vorm russischen Konsulat gibts nen eigenen Text: https://vernetzungpartizipation.org/mit-putin-durch-den-haag/

Vom Tribunal zum Strand
Danach sind wir noch das Internationale Dingsdabums zum Verbot von Chemiewaffen und das ehemalige Tribunal für Kriegsverbrechen in den Jugoslawien-Kriegen abgeklappert und dann zum Strand.

Bertha am Strand
Der Strand heißt Schevedingen. Er ist bekannt für sein Kurhaus. Das war mal ein Hotel, wo Bertha von Suttner abgestiegen ist. Bertha von Suttner ist auf der Zwei-Euro-Münze von Österreich drauf. Sie lebte von 1843 bis Juni 1914. Bertha fand Frauenrechte und Pazifismus gut. Sie schob die Friedenskonferenzen an, die zur Den Haager Landkriegsordnung und der Gründung des Friedenspalastes führten. Den Haag verdankt ihrem Engagement also indirekt seine heutige Wichtigkeit mit all den Internationalen Organisationen.

Beton-Brutalismus
Der Strand in Schevedingen ist schön. Das Kurhaus auch. Der Rest ist… interessant. Zu der Ansammlung brutalistischer Betonburgen bemerkte jemand: „Hier siehts ja aus wie am Kotti!“

Unser Tipp: Ganz im Nordwesten von Schevedingen kommt ne fette Düne. Da ist es schön.

Auf dem Weg zur Düne kommt man an einem weiteren Zeugnis der deutschen Besatzungsmacht vorbei. Ein Bunker des sogenannten Atlantikwalls.

Den Blutin hatten wir na klar auch mit dabei. Bisschen frische Luft tut dem sicher gut ham wa uns jedacht.

Frikandel
Hier gabs übrigens sehr spätes Mittag. Ich hab Frikandel gegessen. Das ist ne sehr hackfleischige Bratwurst. Dazu kommt eine Lage Majo. Und darauf eine Lage würzige BBQ-Ketchup-Soße. Und dann frische Zwiebeln. Von dem Geschmack der fruchtig-scharfen Zwiebeln iin der fettigen Soße bin ich Fan geworden. Das probier eich in meiner nächsten Currywurst aus.

Pommes
Auch den Rest der Woche hab ich mich sehr gesund ernährt. Zum Beispiel mit diesen Pommes mit frittierten Reis- und Käse-Dingern. Das erklärt auch, warum die Niederländer so viel Fahrrad fahren: So bekommt man die Kalorien verbrannt…Apropos: Abends waren wir tanzen. Dazu gibts auch nen eigenen Text, glaub ich:
https://vernetzungpartizipation.org/mit-den-berliner-atzen-im-den-haager-nachtleben/
Das Fußballspiel (1:1 Niederlande, erstes Spiel von Klopp), das in Amsterdam stattfand, hab ich ignoriert.

Eurojust
Am zweiten Tag war erst der Workhop zu Eurojust. Das ist der Text zum Workshop:
https://vernetzungpartizipation.org/workshop-eurojust-und-der-russische-angriffskrieg-in-der-ukraine/
Und dann sind wir zu Eurojust. Aber dazu gibts auch nen Text:
https://vernetzungpartizipation.org/was-ist-eurojust-unser-besuch-bei-der-eu-agentur-fuer-justizielle-zusammenarbeit/

Mit Putin bei Eurojust und Europol
Danach haben wir mit dem Putin Bilder bei Eurojust und Europol gemacht sind wieder an Strand nach Schevedingen. Das war der Tag, wo wir die erwähnte Düne ausgecheckt haben.

Workshop Europol
Am dritten Tag war erst der Workshop über Europol. War ganz schön erschreckend, wie die Datensammlung bei dem Laden aus dem Ruder gelaufen ist:: https://vernetzungpartizipation.org/workshop-europol/

Gedenkstätte „Hotel Oranje“
Und und dann sind wir ins Widerstandsmuseum „Hotel Oranje“. Das Hotel Oranje ist ein Teil in einer fetten alten Knastanlage. In dieser Knastanlage ist heute immer noch ein echtes niederländisches Knastkrankenhaus. Und das UNO-Untersuchungsgefängnis vom Internationalen Gerichtshof. Und die Gedenkstätte für ein deutsches Polizeigefängnis aus der deutschen Besatzungszeit, wo hauptsächlich Widerstandskämpfer*innen und Leute, die die Deutschen nicht mochten, inhaftiert und gequält wurden.

Knackis sind auch Menschen
Über das Museum „Hotel Oranje“ und dem, was unsere Vorfahren da veranstaltet haben, gibt es einen eigenen Text:
https://vernetzungpartizipation.org/widerstand-folter-abschiedsbriefe-das-nationale-monument-oranjehotel/
Mir hat aber die Kinderabteilung des Museums gut gefallen. Da wurde ne Gefängniszelle aus den 2000sender Jahren gezeigt und das Lernziel war, das Knackis auch Menschen sind und Menschenrechte haben. Das fand ich sehr gut, und etwas, das regelmäßig im Gespräch mit Kindern zu kurz kommt.

Pappschilder basteln
Abends haben wir Pappschilder gebastelt. Mit Fragen an die EU. Für die Performances am nächsten Tag im öffentlichen Raum:
https://vernetzungpartizipation.org/unsere-fragen-an-die-eu-in-den-haag/

Fragen stellen im öffentlichen Raum?
Am vierten Tag war Samstag. Wir haben Pappschilder fertig gebastelt. Dann sind wir mit unseren Frage-Schildern in die Innenstadt zum Verbindungshaus der EU-Kommission. Dort haben wir unsere Fragen symbolisch mit den Schildern gestellt. Dann sind wir damit zu Europol. Aber dazu gibts auch einen eigenen Text:
https://vernetzungpartizipation.org/id-card-please-unser-ausflug-zu-europol/

Stadterkundung
Ich hab die Zeit danach genutzt, endlich die Stadt zu erkunden: Königspalast (war zu), Parlament (Bauarbeiten) der Dom, das Alte Rathaus, viele Grachten, interessante Hausboote und ein Chinatown.

Chinatown
Chinatown war sehr präsent, weil da grad Stadtfest war. Mit dabei: Initiativen der Chinesischen Diktatur. Ich weiß nicht, wie chinesisch das Chinatown ist. Ist es viel jünger als das in London oder Hamburg.

Jüdisches Viertel
Bis zur Deutschen Herrschaft von 1940 bis 1945 war im heutigen Chinatown das jüdische Viertel. Nachdem wir die Leute da alle deportiert und umgebracht hatten, entwickelte sich das Viertel in den 1950ziegern zum Schandfleck, in dem nur arme Leute leben mussten. Das ist na klar auch der Ort, wo Migrant*innen Unterkunft finden. Könnte also sein. Aber bis auf die theatralischen Tore am Eingang, die es erst seit 2008 oder 2009 gibt und den roten Plastik-Lampions an den Straßenlaternen war es nicht übermäßig chinesisch.

Mahnmal für Juden
Im chinesischen Viertel gibt es eine großes Mahnmal für die von uns ermordeten Juden. Es ist quer über einen Platz verteilt und hat mehrere Elemente. Am auffälligsten ist ein nachts indirekt beleuchteter Davidsstern an einer Wand. Es gibt ein Klettergerüst mit leeren unterschiedlich großen Kinderstühlen. Auf den Stufen der Gerüste stehen die Namen der von Deutschen ermordeten Kinder. In einer Ecke des Platzes steht ein kupferner Koffer.

Mahnmal der Stadt Den Haag
Auch vor dem Friedenspalast hat die deutsche Politik Spuren hinterlassen. Hier steht ein großes Mahnmal für die Opfer der Deutschen Besatzung. Es besteht aus vier großen und vier kleinen Stein-Stelen. Auf den kleineren Stehlen stehen die Jahreszahlen 1940 und 1945. Es gedenkt an die 20.000 Einwohner*innen Den Haags, die uns Deutschen zum Opfer fielen.

Kibbeling
Meine Stadterkundung endete auf den Haagschen Markt. Das ist ein großer Markt im Freien. Hier habe ich Kibbeling gegessen. Das ist frittierter Schellfisch in Stücken mit fettiger Soße. Sehr lecker. Aber Achtung: Ich hab die kleine Portion bestellt, und die war schon sehr groß.

Danach gabs Dubai-Erdbeeren. Das sind Erdbeerstücke in Schoko-Soße ertränkt. War nicht ganz billig, aber ich durfte drei verschiedene Soßen drauf machen lassen ohne das es extra kostete.

Erdnusssoße
Mein absolutes kulinarisches Highlight ist die Erdnusssoße. Erdnusssoße gibt es in Den Haag immer und zu allem. Der geheime Den Haager scheint ohne Erdnusssoße nicht leben zu können.

Und Kuchen. Für 50 Cent im Abverkauf in der Feinkostabteilung im Kaufhaus kurz vor Schluss.

Auswertung
Sonntag war der fünfte und letzte Tag. Nach dem Frühstück haben wir Auswertung und Youthpass gemacht. Dann gings zum Bahnhof und nach Haus. Mit einem normalen ICE. Wir hatten richtig Glück: Unser Zug war der letzte, der Rheine passierte, bevor dort ein Trecker einer Oberleitung zu nah kam und wir erst morgens um 7 zu Haus gewesen wären.


Fazit
In Den Haag herrscht eine komische Atmosphäre, die ich schwer beschreiben kann. Sehr autogerecht, aber auch viele Straßenbahnen. Eine Skyline, die sich vor Frankfurt nicht verstecken muss, und gleichzeitig viele Viertel im Grünen. Beton-Brutalismus in Schevedingen und die kleinen schönen alten Häuser in der Altstadt. Die Grachten, Hausboote und viele Blumen. Ich mochte Den Haag.

Hinweis:
Die Veranstaltung wird von der Europäischen Union im Rahmen von Erasmus + als Jugendpartizipationsprojekt gefördert.

Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Union. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung der Autor:innen wieder. Die EU-Kommission und Jugend für Europa haften nicht für Folgen aus der Wiederverwendung.