Junge Erwachsene liefern Putin beim Internationalen Gerichtshof ab  

„Putin symbolisch in Den Haag beim Internationalen Strafgerichtshof abliefern“: Das hatten sich junge Erwachsene aus Berlin vorgenommen. Im Rahmen des von der EU geförderten Jugendpartizipationsprojektes „Wir und die EU“ besuchten 12 junge Erwachsene fünf Tage lang Den Haag in den Niederlanden. Im Gepäck: Ein selbst designtes Roll-up. Dieses zeigt den russischen Diktator Putin in ausgedachter Fantasie-Gefängniskleidung. Darüber steht in großen Buchstaben das Wortspiel „PUTINJAIL“.

Offener Haftbefehl

Seit mehr als viereinhalb Jahren überzieht das russische Regime die Ukraine mit Krieg. Wegen des Verschleppens von Kindern besteht seit vier Jahren ein Haftbefehl des internationalen Gerichtshofes gegen Putin. Trotz dessen hat Donald Trump ihn zum nächsten G-20 Gipfel in die USA eingeladen. Deswegen beschloss eine Gruppe junger Menschen aus Berlin, Putin selber symbolisch in den Haag abzuliefern. „Hoffen wir mal, das Trumps Diesel-Deal und die US-Sanktionen gegen den Gerichtshof nur Ablenkung sind, die bei Putin Vertrauen schaffen sollen, so dass er im Dezember zum G20-Gipfel in die USA fliegt, und Trump sich seinen eigenen Friedensnobelpreis mit dem Einlochen von Putin verdienen kann…“  scherzt eine der beteiligten jungen Erwachsenen.

Das Projekt „Wir und die EU“
Möglich machte dies ihr Engagement in der Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e. V. Dieser in Berlin-Köpenick ansäßige gemeinnützige Verein gibt jungen Menschen die Möglichkeit, sich in eigenen Beteiligungsprojekten auszuprobieren. Innerhalb der Arbeit dieses Vereins planten und beantragten die jungen Erwachsenen das zweijährige Projekt „Wir und die EU“. Die Arbeit dieses Projekt soll jungen Menschen nahe bringen, welche Rolle die EU in ihrem Alltag spielt und wird im Rahmen des Förderprogrammes Erasmus+ gefördert. „Höhepünkte waren eine Reise nach Brüssel zur EU-Kommission und jetzt die Tour zu den EU-Behörden in Den Haag“ berichtet eine der Teilnehmenden: „Und da dachten wir uns, nehmen wir doch den Putin mit!“

Mit Putin zum Internationalen Gerichtshof

Aufgrund einer Verspätung des Nachtzuges auf der Hinfahrt fiel der Besuch einer echten Urteils-Verkündung im Internationalen Strafgerichtshof (ICC) leider aus. Die Gruppe nutze statt dessen die Zeit, den Kriegsverbrecher Putin dort symbolisch abzuliefern und Fotos davon zu machen. Die kleine Performance im öffentlichen Raum war so spannend, das sogar eine niederländische Medienagentur aufmerksam wurde und Fotos und ein Video dazu veröffentlichte:

https://www.vrpress.nl/artikel.php?id=6ab3a879bcb46

Gespräche mit Passant*innen

Der russische Angriffskrieg wird immer alltäglicher und immer weniger Menschen engagieren sich für eine Unterstützung der Ukraine. Deswegen ist es wichtig, diesem Thema in der Öffentlichkeit Sichtbarkeit zu verschaffen. Um mit Passant*innen ins Gespräch zu kommen, zeigten Mitglieder der Gruppe das Putin-Rollup auch in der Innenstadt Den Haags. In Einkaufspassagen, in Bahnhöfen und auf Rolltreppen machte es eine gute Figur. „Das brachte uns mit vielen Passant*innen ins Gesprächs darüber, was man gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine tun kann“ freute sich eine Teilnehmer*in.

Inspiration aus Litauen

Die Inspiration dazu, den Putin nach Den Haag zu schleppen, hatte die Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e. V. aus Vilnius. Die litauische Hauptstadt besuchten Aktive des Vereins 2023. „Dort fanden wir damals in vielen öffentlichen Gebäuden und Museen immer irgendwo in einer dunklen Ecke eingesperrt einen Papp-Putin in orangenen Knast-Klamotten“:
https://vernetzungpartizipation.org/putin-the-haag-is-waiding-for-you/

Das Original: Papp-Putin in Litauen im Museum der Diktaturen, Vilnius 2023

Im Oranjehotel

Die Gruppe besuchte auch die Gedenkstätte „Oranjehotel“ in Schevedingen. In diesem ehemaligen Polizeigefängnis folterte und ermordete die deutsche Besatzungsmacht zwischen 1940 und 1945 Niederländer*innen. „Zu sehen, wie es in anderen Ländern zu ging, zeigt eine ganz andere Dimension des Grauens durch das Naziregime auf“ fasst eine Teilnehmern*in ihre Eindrücke zusammen. Die Auseinandersetzung mit dem deutschen damaligen Besatzungsregime in den Niederlanden helfe auch, die heutige Situation der Menschen in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine besser zu verstehen, ergänzt eine weitere Teilnehmer*in.

Besuch bei Eurojust

Die EU förderte das Projekt, weil die Gruppe auch die EU-Institutionen in der Stadt besuchte. Bei Eurojust informierten die Teilnehmer*innen sich zusammen mit Studierenden der Uni Den Haag und der Uni Liechtenstein über die Tätigkeiten von Eurojust. Den Schwerpunkt ihrer Fragen legten sie darauf, was Eurojust zur Aufklärung russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine tun kann. Ebenfalls interessierte die Gruppe, was Eurojust zur Durchsetzung der Sanktionen und und zum an die Kette legen der Schattentanker beitragen kann. „Hier wurde deutlich, wie sehr etwas mehr politischer Wille der EU-Staaten hilfreich wäre“ fasst eine Teilnehmer*in den Eindruck der Gruppe zusammen. Mehr Infos dazu:  
https://vernetzungpartizipation.org/was-ist-eurojust-unser-besuch-bei-der-eu-agentur-fuer-justizielle-zusammenarbeit/

Fragen an die EU

Ziel des Projektes war es, jungen Menschen nahe zubringen, was die EU mit ihren konkreten Alltag zu tun hat. Deshalb formulierten die jungen Menschen in der Vorbereitung der Fahrt auch Fragen an die EU. Diese stellten sie in den Haag den EU-Behörden schriftlich. Auf Pappe gemalt im öffentlichen Raum. Bereits im Januar stellten die jungen Erwachsenen diese Fragen auch öffentlich in Brüssel vor der EU-Kommission und dem EU-Parlament. Mehr Infos dazu: https://vernetzungpartizipation.org/unsere-fragen-an-die-eu-in-den-haag/

Vorläufige Festnahmen

Die niederländische Polizei machte so viel Partizipationswille sichtlich nervös. Zweimal führte sie nach vorläufiger Festname Personalkontrollen bei den jungen Menschen durch. Einmal mit Putin im Botschaftsviertel; ein weiteres Mal beim Fragen stellen vor Europol „Und das, obwohl die Cops jedesmal betonten, wir hätten nichts Verbotenes getan!“ berichtet eine der Teilnehmer*innen:
https://vernetzungpartizipation.org/mit-putin-durch-den-haag/

Ausstellung im Frühjahr 2027

Aus den Fotos der Aktionen und den weiteren Ergebnissen erarbeiten die Aktiven der Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e.V. im nächsten Jahr ein Ausstellung. „Die zeigen wir im nächsten Frühjahr einer breiten Öffentlichkeit!“ kündigt eine der Teilnehmer*innen an.  

Was ist die Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e. V.?

Die Vereinigung für Vernetzung und Partizipation ist ein beim Amtsgerichts Charlottenburg eingetragener Verein. Das Finanzamt Treptow-Köpenick hat ihn als gemeinnützig anerkannt. Seine Mitglieder organisieren seit 2022 Projekte der Jugendbeteiligung vor allem in Berlin. Förderungen durch die EU erhält der Verein seit 2023.  

Ausgezeichnet von der EU

Im aktuellen Wirkungsbericht 2025 für das Förder-Programm Erasmus+ zeichnete die EU das Solidaritäts-Projekt „Skills for democracy. Engagement leicht gemacht!“ der Vereinigung für Vernetzung und Partizipation als Beispiel guter Praxis aus: 
https://vernetzungpartizipation.org/beispiel-guter-praxis-eu-lobt-unser-skillshare-projekt/

Was sind Jugendpartizipationsprojekte?

Im Rahmen des für Hochschulkooperationen bekannten Förderprogramms „Erasmus+“ unterstützt die EU auch sogenannte Jugendpartizipationsprojekte. Diese werden von jungen Menschen zwischen 13 und 30 Jahren selbstständig umgesetzt. Sie dauern zwischen drei und vierundzwanzig Monaten. Sie sollen junge Menschen in die Lage versetzen, sich Gehör zu verschaffen, etwa durch die Formulierung von Standpunkten, Vorschlägen und Empfehlungen, insbesondere zur Gestaltung und Umsetzung von Jugendpolitik in Europa. Mehr Infos zur Förderung von Partizipationsprojekten: 
https://www.jugendfuereuropa.de/erasmus-jugend/foerderformate/jugendpartizipationsprojekte

Förderung u.a. für kreative Aktionen im öffentlichen Raum

Die EU stellt dabei im Leitfaden des Förderprogramms klar, dass Jugendpartizipationsprojekte auch in Form von Bürgerinitiativen und Jugendaktivismus stattfinden können. Konkrete förderungsfähige Beispiele sind Besuche bei EU-Institutionen, Kampagnen zur Europawahl, Internationale Ideenwerkstätten zu Europäischen Jugendzielen und kreative Aktionen im öffentlichen Raum. Bei Interesse hat die Vereinigung für Vernetzung und Partizipationen eine Mischung aus Online-Selbstlern-Modul und Planungswerkzeug entwickelt, das auch von anderen Vereinen für die Vorbereitung einer eigenen Antragsstellung genutzt werden kann:  
https://vernetzungpartizipation.org/lernwerkstatt-eu-antraege-schreiben/

Mehr Infos:

Was wir in Den Haag erlebten:
https://vernetzungpartizipation.org/was-wir-in-den-haag-abseits-des-programms-erlebten/

Mit Putin durch Den Haag:
https://vernetzungpartizipation.org/mit-putin-durch-den-haag/

Wladimir nach Den Haag:
https://vernetzungpartizipation.org/wladimir-nach-den-haag/

Hinweis:
Die Veranstaltung wird von der Europäischen Union im Rahmen von Erasmus + als Jugendpartizipationsprojekt gefördert.

Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Union. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung der Autor:innen wieder. Die EU-Kommission und Jugend für Europa haften nicht für Folgen aus der Wiederverwendung.