
Wir waren in Den Haag. MIt im Gepäck: Wladimir Putin, als lebensgroßes Roll-up und dem Slogan „PUT IN JAIL“. Und auch dabei: Jede Menge Fragen an die EU. Gemalt auf Pappschilder. Was wir damit erlebt haben und warum das die Polizei interessierte, berichten wir hier.

Putin im Gepäck
Auf unserer Bildungsreise in Den Haag hatte unsere Reisegruppe einen speziellen Gast mit im Gepäck: Wladimir Putin – Kriegsverbrecher, Mörder, Diktator. In Form eines Roll-Ups, welches Putin in Gefängnis-Kleidung und Fußfessel darstellt und mit dem Spruch „PUT-IN JAIL“. So trugen wir ihn durch Den Haag, den Sitz des Internationalen Strafgerichtshofes. Und genau dort haben wir ihn symbolisch abgeliefert:

PUTINJAIL?
Das Wortspiel mit Namen und der dem englischen Ausdruck „ins Gefängnis stecken“, zeigt unseren Wunsch eines schnellstmöglichen Ende des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Wir fordern mehr internationalen Druck auf das russische Regime und die Ausschöpfung aller Möglichkeiten des europäischen und internationalen Rechts um Putin strafrechtlich zu verfolgen.

Mit Putin durch Den Haag
So zogen wir also durch Den Haag und machten Fotos mit Putin etwa vor dem Internationalen Strafgerichtshof (wo er auch hingehört!) oder vor dem Friedenspalast. Denn Frieden für Europa schaffen wir nicht mit einer endlosen Aufrüstungsspirale sondern durch internationalen Druck und Völkerrecht, so wie es schon die Gründer:innen des Friedenspalastes wollten.
(Textverweis – Friedenspalast)

Ein Hingucker
Zusammen mit Putin waren wir wohl ein echter Hingucker: Viele Passant:innen blieben stehen und schauten sich an, was auf unserem Roll-Up draufsteht. Wir ernteten viel Kopfnicken, lächeln oder Daumen nach Oben. Einige Leute machten sogar Fotos.

Putin in den Knast bringen
Am dritten Tag besuchten wir die Gedenkstätte Oranje Hotel. Das war der Spitzname für ein deutsches Polizeigefängnis, wo im zweiten Weltkrieg niederländische Widerstandskämpfer gefoltert und ermordet wurden. Und nebenan ist heute das UNO-Untersuchungsgefängnis für den Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Da haben wir unseren Putin symbolisch abgeliefert. Er war grad Wachwechsel. Die Wärter*innen störte das überhaupt nicht und ihre Reaktionen zeigten, das wir definitiv nicht die ersten mit so einer öder ähnlichen Idee waren.

An der russischen Botschaft
Neben dem Friedenspalast ist auch das Botschaftsviertel. Vor einem der Gebäude hing die Flagge der russischen Diktatur. „Da muss des Roll-Up stehen!“ beschlossen wir spontan und machten Fotos. Leider wehte die Fahne nicht… Vom Sicherheits-Personal des Konsulats gab es keine Reaktion. Wir hatten ein bisschen Angst davor. Doch hier passierte uns nichts.

Solidarität mit der Ukraine- Unser Versuch
An einem Gebäude im Botschaftsviertel entdeckten wir eine ukrainische Flagge. Wir beschlossen, dort als Zeichen unserer Solidarität ein Foto mit dem Gefängnis-Putin vor der Flagge zu machen. Aber das muss wohl irgendwie missverstanden worden sein…

Polizeiwagen hinter uns?
Wir zogen weiter, doch prompt waren zwei Polizeiwagen hinter uns. Wir wunderten uns, dass diese langsamer wurden, aber konnten uns nicht vorstellen, dass die was mit uns zu tun hätten. Als sie dann auf uns zeigten und ihr Wagen uns den Weg abschnitt, war klar, dass hier etwas nicht stimmt.

„Lock up Putin not us!“
Sechs Polizisten umringten uns. Sie wollten unsere Ausweise sehen und wissen was wir machen. Wir rollten den Gefängnis-Putin aus und mindestens zwei Polizisten mussten schmunzeln. Die Stimmung entspannte sich. Sie machten ein Foto vom Roll-Up. Wir witzelten: „Verhaftet den Putin, aber bitte nicht uns.“

Nicht illegal
Ein Polizist erklärte uns, dass es nicht illegal ist was wir machen, aber sie müssen überprüfen wer wir sind. Das mit dem Ausweise und Identitäten überprüfen hat dann auch ganz schön lange gedauert. Dann überprüfte ein Polizist noch unsere Kamera und wollte unsere gemachten Fotos sehen. Wir fragten in der Zwischenzeit nach Sightseeing Tipps, aber irgendwie waren die Polizisten gar nicht so angetan von Den Haag und meinten hier gäbe es nichts spannendes (das sehen wir anders!).

Trotzdem Botschafts-Verbot
Per Funk kam dann die Nachricht vom Polizei-Chef, dass wir keine Verbrecher sind und auch nichts verbotenes gemacht haben. Wir versicherten uns, dass wir auch weiterhin Fotos mit Putin machen können. Die Polizei riet uns nur dringend davon ab, dies vor der russischen Botschaft zu versuchen, da müssten sie uns dann wieder kontrollieren. Uns war aber die Laune nach Fotos machen gehörig vergangen und wir gingen zurück zum Hostel.

Bei Eurojust
Nachdem dieser glimpfliche aber unangenehme Zwischenfall verdaut war, ging es am nächsten Tag später wieder in die Stadt zum Fotos machen. Wir waren mit Putin bei Eurojust. Eurojust sammelt bereits Beweise zu russischer Kriegsverbrechen, wie wir im Workshop dazu lernten.

Politischer Wille?
In der Veranstaltung bei Eurojust bemerkten wir aber eine bemerkenswerte Äußerung der Referent*in. . Sie sprach über Europols Beitrag zur Fahndung nach Bombenpaketen, mit denen russische Wegwerfagenten aus Litauen den Flughafen in Leipzig attackierten. Im Gegensatz zu Kanzler Merz und der Bundesregierung, die die Verantwortung Moskaus dafür als erwiesen ansehen, bemühte sich die Sprecher*in von Eurojust um neutrale Formulierungen zur Urheberschaft. Besonders viel politischen Willen zur Jagd auf Putin dürfen wir wohl vom Steuerungsgremium von Eurojust bisher nicht erwarten.

Putin: Most wanted bei Europol?
Bei Europol gegenüber waren wir auch. Bisher steht Putin da nicht auf der Most wanted Liste. Wir fragen uns warum nicht. Da gehört er doch hin.

Schilder mit Fragen an die EU
Doch wir hatten nicht nur Putin im Gepäck. Einige erinnern sich vielleicht noch an die Fragen, die wir im Januar 2026 auch mit „Wir und die EU“ der Europäischen Kommission und dem EU-Parlament in Brüssel gestellt haben.

So ähnlich haben wir uns dass auch in Den Haag vorgestellt. Denn Haag ist ein europäischer Regierungssitz, also gibt es genau wie in Berlin auch hier ein Verbindungsbüro der Europäischen Kommission. Und auch mit Ausstellung und schicken großen EU-Symbolen auf den Fenstern. Lief gut. Einen genauen Bericht dazu gibt es hier: https://vernetzungpartizipation.org/unsere-fragen-an-die-eu-in-den-haag/

Europol, das Schwarze Datenloch
In einem Workshop zu der EU-Agentur Europol lernten wir, dass Europol einige Datenschutzstandards in der Vergangenheit missachtet hat und riesige ungenehmigte Datenbanken anlegte. Deshalb bastelte jemand zwei neue Schilder mit den Fragen: „Illegal Data Collections“ und „Schwarzes Daten Loch?“. Diese und weitere Fragen wollten wir auch vor der Europolzentrale in Den Haag stellen.

Wieder Polizei-Kontakt
Doch es sollte wieder anders kommen. Wir waren eigentlich schon fertig und packten gerade unsere Schilder wieder ein, als erneut zwei Polizeiwagen bei uns anhielten und 4 Polizisten auf uns zukamen. Die Polizei fragte erneut was wir denn machen. Wir zeigten unsere Schilder und erklärten die Performance. Daraufhin fragte eine Polizistin nach unseren Ausweisen. Ein Reisemitglied von uns, fand das nicht rechtens und fragte bei der Polizei sinngemäß nach, warum sie uns kontrollieren, wenn wir wir doch in einer Demokratie leben wo Fotos von Schildern von Statements machen doch völlig legal ist. Weil es ihr Job ist, müssen sie uns nun aber kontrollieren erwiderte die Polizei.

Personalienkontrolle
Unser Reisemitglied hat das nicht verstanden: „It’s your job to collect the IDs of people who are making a statement? I don’t think so. That’s what they do in Russia and dictatorships. Your job is to protect from crime.“ Die Person übergab ihren Personalausweis an die Polizei. Kurz darauf erfolgte die Entwarnung, alles kein Problem, wir würden nichts verbotenes machen und unsere Ausweise müssten sie auch nicht kontrollieren. Damit gingen wir von dannen.

Der Überfall
Entgegen der Entwarnung schnitt uns drei Minuten später ein Polizeiwagen den Weg ab, ein zweiter speerte die Straße. Wir müssen nun doch unsere Ausweise zeigen, hätte ihr Chef entschieden. Ein Polizist meinte, dass es nämlich ungewöhnlich sei was wir täten und dass sie uns überprüfen müssen „Normal tourists usually don’t make pictures with statements in front of international institution builiding“. Auf Nachfrage bestätigte uns die Polizei, dass wir nichts illegales gemacht haben und auch nicht verhaftet sind. Gehen durften wir trotzdem erst als die Polizei auch wirklich überprüft hatte das wir keine Straftäter sind. Die Polizist:innen waren relativ freundlich. Wir haben sogar Fotos mit unseren Schildern gemacht und das hat sie nicht gestört.

Demokratie leben?
Unsere Polizeikontakt in Den Haag hinterlässt einige Fragezeichen. Denn wir verstehen, dass die Polizei um die Sicherheit, insbesondere von EU- und diplomatischen Einrichtungen, besorgt ist. Doch wir sind offensichtlich keine Gefahr für die Sicherheit gewesen. Wieso wurden wir dennoch insgesamt eine Stunde lang kontrolliert? Wo sind nun unsere Daten gelandet? Liegen wir jetzt etwa in einer der Datenbanken von Europol?

Neue Fragen
Das ganze hinterlässt einen faden Beigeschmack. Wir sind eben keine normalen Tourist:innen. Wir wollen Städte nicht einfach konsumieren indem wir ein paar Fotos machen, ein Andenken kaufen und nach Hause fahren. Wir möchten neues über Orte lernen, sie entdecken, uns mit ihnen auseinandersetzen und unsere Welt kritisch hinterfragen. Wir möchten Demokratie leben. Dazu gehört es Fragen und Statements in der Öffentlichkeit zu stellen ohne ständig von der Polizei gestoppt zu werden. Das ist eines der kostbarsten Güter in der EU. In unserer Gruppe haben wir gemerkt – auch wenn wir nichts illegales gemacht haben und auch (hoffentlich) keine rechtlichen Konsequenzen fürchten müssen – dass die Motivation sich mit Schildern in die Öffentlichkeit zu stellen, mit jeder Polizeikontrolle sinkt.

Hinweis:
Die Veranstaltungsreihe „Wir und die EU“ wird von der Europäischen Union im Rahmen von Erasmus + als Jugendpartizipationsprojekt gefördert.

Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Union. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung der Autor:innen wieder. Die EU-Kommission und Jugend für Europa haften nicht für Folgen aus der Wiederverwendung.